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Eine Chronik muss zugleich Dorfchronik und Dorfbuch sein:
als Dorfchronik zeigt die Abbensether Chronik in die Vergangenheit, als Dorfbuch hat sie die Gegenwart zum Mittelpunkt.
I. Die Abbensether Chronik ist der Versuch, auch ein Dorfbuch zu sein
- indem sie möglichst viele Menschen an der Abfassung beteiligt – in diesem Falle sind es 46 Menschen. Wer einen Textbeitrag lieferte, wird genannt. Die meisten Autoren kommen aus dem Dorf, aber auch der Lamstedter Ortsheimatpfleger, ein alter Ehrenlandrat aus Lamstedt, und ein Mitglied der Familie Frhr. von Marschalck (Inhaber der ehemaligen adeligen Grundherrschaft) sind dabei,
- indem alle Vereine und Gemeinschaften sich selbst darstellen,
- indem für alle ein eigenes Bucherlebnis wird, was sonst oft wie ein Privileg sogenannter „Studierter“ gehandhabt wird.
II. Die Abbensether Chronik will die Leistungen des Dorfes von heute aufzeigen und festhalten, zugleich aber auch die Probleme und Wunden, die das Dorf verarbeiten musste
- zu den Problemen – um diese zuerst zu nennen - gehören z.B. die Verluste vieler Menschen in den Weltkriegen, die schweren Fluchterinnerungen der Flüchtlinge,
die in den Dörfern nach 1945 ihren Platz gefunden haben, schließlich auch die Erinnerung an Opfer von Menschen aus anderen Völkern, soweit sich ihre Spuren noch finden lassen. Die Chronik sichert die alten
Ehrentafeln des Kriegervereins und die mündlichen Erinnerungen an das, was vor und während des Kriegsendes geschah.
- zu den Leistungen des Dorfes heute gehört, was mit hohem, meist ehrenamtlichem Einsatz an Zeit in den Vereinen geleistet wird: die
kulturellen Bemühungen des Chores, der Einsatz für Gefahrensicherung verschiedenster Art durch die Feuerwehr, die Gesundheitsfürsorge an Kindern und Jugendlichen im Sportverein, die Seniorenarbeit des DRK, die
beeindruckende ökologische Arbeit des örtlichen Angelvereins - zusammen mit anderen Vereinen in der Börde - bei der Nachzucht gefährdeter Meerfische. Hinzu kommen Vereine, die Menschen helfen, einen
Platz in der Gemeinschaft, ein Recht oder einfach eine Möglichkeit zur Geselligkeit zu finden: Soldatenkameradschaft und Schützenverein, der Raucherclub mit seiner internationalen Erfahrung, ein Ortsverein des
Sozialverbandes Deutschland, die Vereinigungen zur Pflege des Dorfbildes, der Theaterspielkreis, und eine Gruppe zur Jugendgeselligkeit. Auch der Kindergarten, das einzige im Dorf angesiedelte pädagogische
Institut, dessen Wichtigkeit angesichts der Pisa-Debatte endlich auch dem letzten Bürger deutlich wird, findet seinen Platz
III. Eine wichtige Aufgabe einer Dorfchronik besteht schließlich darin, alles Material und alle Informationen zu schützen und zu erhalten, die das Dorf braucht, um seine eigene Geschichte zu verstehen.
Während die Großen und Mächtigen der Welt ihr Bild in der Geschichte durch Museen und Historiker sorgfältig pflegen lassen, haben die „kleinen Leute“ es da viel schwerer. Und Museen, in denen nur alte
Acker- und Handwerksgeräte gesammelt werden, sind kein Ersatz dafür.
Eine Dorfchronik muss die Erinnerungen an Begebenheiten, die einst für die Menschen von großer Wichtigkeit waren, zugänglich machen. Die Schulchronik z.B. gibt einen breiten Einblick in die Situation von
Bildung, Landwirtschaft, und aufgeregter politischer Mentalität seit etwa 1900, zwischen den Weltkriegen und bis in die Zeit nach 1945.
Hinzu kommt, was nur noch aus alten Akten und Karten genauer erforscht werden kann, was aber einst für das Dorf von großer Bedeutung war. Für Abbenseth ist dies z.B. der Verlust des Zugriffs auf das Ostemoor mit seinen gewaltigen Ressourcen im 18. Jahrhundert. Hier geht es um das Schlüsselereignis der Begegnung
Abbenseths mit dem bedeutenden Jürgen Christian Findorff im Jahre 1769 anlässlich einer Moorbegehung und einer Kommissionsversammlung in der heute noch bestehenden Gastwirtschaft der Hollener Mühle. Das Verhältnis der Abbensether zur Hollener Mühle im 17./ und 18. Jahrhundert spielt in der Chronik überhaupt eine wichtige Rolle und ganz nebenbei ergibt sich die Erkenntnis, dass die Hollener Mühle schon seit mehr als 300 Jahre ununterbrochen einen Gastbetrieb aufrecht erhält und wohl damit zu den ältesten ländlichen Gastwirtschaften zwischen Weser und Elbe gehört.
IV. Im übrigen ist die Abbensether Chronik ein Schatzkasten von alten Fotos des Dorfes, von Menschen und ländlicher Arbeit
geworden. Viele Fotos waren nur noch mit Mühe auffindbar und konnten vor endgültigem Verlust bewahrt werden.
V. Eine letzter Vorteil der Abbensether Chronik besteht darin, auf Subventionen jeder Art bei ihrer Erstellung zu verzichten, und sie nur über den Abgabepreis zu finanzieren. Hochglanzfotos findet man
in der Chronik nicht, stattdessen persönliches Flair des Dorfes, Spuren persönlicher Beteiligung und den einen oder anderen Artikel, der bei einem teuren Buch sonst ein Opfer der Kosten geworden wäre.
Hollen, den 11.2.07 Michael Schwieger
Zu Abbenseth siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Hollnseth
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