Musoma 16

Bearbeitung vom 31.12.06

Heute neu: Rundbrief Musoma 17!

Hollnseth-Hollen
Chronik
Abbenseth
Musoma 16
Kontakte
Konzertbericht
Dorferneuerung
Leserbrief

Diese Seite - Musoma (ein Ort in Tanzania) -  ist Maike Ettling gewidmet. Maike ist SchĂĽlerin an unserem Gymnasium in Bremervörde gewesen und arbeitet seit vielen Jahren in Afrika.

Rundbrief Nr. 17


Lieber Michael,
hm - hoff die Adresse stimmt noch... und somit ´n Rundbrief grad.
Befinde mich grad in meiner "Weihnachtspost-Nachholphase" (einschl. Rundbrief) nachdem Leben bis zum 24.12. irgendwie ziemlich voll war und ich zu nix kam...
Jetzt geniess ich grad ´n paar Tage etwas ruhigeres Laben bis am 02.01. normales Leben wieder beginnt..

Jaa - ich hoff, "es geht gut" - so im Grossen & Ganzen und so...
Ein gutes und gesegnetes "Jahr des Herrn" 2007 jedenfalls.

Maike


KARIBUNI & HERZLICH WILLKOMMEN ZUM RUNDBRIEF

Dezember 2006

/“Erzaehle nicht /Gott/ die /Groesse/ deiner Probleme - sondern erzaehle den Problemen von der Groesse /Gottes/” /- schlecht uebersetzt und nicht besonders weihnachtlich, aber ein Satz aus der gestrigen Weihnachts-Predigt, den ich sehr nett & passend fand. Passend, weil es gut ist zu wissen: Gott ist immer noch der, der groesser ist als alle Probleme, die grad so da sind: Laptop-Absturz (mit Datenverlust - u.a. des Finanzprogramms), kaputtes Auto diverse male in den letzten Wochen und grad mal wieder, Finanzknappheit in der Arbeit, nicht endende Arzt-Feleshi-Agenda etc…

Aber neben der Problemaufzaehlung ein bisschen was aus der Arbeit:

Die letzten Wochen waren von Aidsbestimmt: der Nationale Abschluss der Aidswoche fand in Musoma statt - mit diversen Sitzungen im Vorfeld, derweil wir als HUYAMU auch zu den Vorbereitungstreffen auf Regierungsseite eingeladen waren. Ich regte mich zwar die ganze Zeit auf, dass fuer die Veranstaltung von einer Woche Millionen von Tansania-Shillingen ausgegeben wurden um u.a. den Praesidenten, der mitsamt einer zwei Flieger-fuellenden Abordnung kam und bekoestigt und bezahlt werden musste - und darueber, dass die Betroffenen leer ausgingen - aber: es war Chance Beziehungen mit Regierungsleuten zu knuepfen bzw. zu vertiefen.

An einem Tag waren wir mit dem Kaza Roho Chor zu einer Veranstaltung in einem Dorf in der Naehe eingeladen. 23 Kaza Roho Leute in zwei Autos - alle in “Einheitskleidung” die wir ihnen gespendet hatten - und mit sehr guten Liedern bestueckt. Das ganze Dorf war natürlich da - samt Ehrengaeste - und alle waren sehr beruehrt von den Liedern: “Wir selber sind betroffen - ihr habt noch Zeit zum Vorbeugen“ und so… Jedenfalls war es ein sehr ermutigendes Erlebnis - und eine gute Zusammenarbeit mit Regierungsleuten samt Chance, unsere Natuerliche Medizin zu verkaufen. Auch wurden durch die Aufrufe von Kaza Roho und anderen ueber 100 Leute zum HIV Test motiviert - und in der Gesundheitsstation kamen waehrend der gesamten Woche taeglich um die 20 Leute zum Test.

Am darauf folgenden Sonntag waren wir mit 8 von der Kaza Roho Gruppe zu einem Gottesdienst in einer benachbarten Stadt. Es war in der Gemeinde das erste mal, so “kompakt” Aids als Thema zu haben. Neben Liedern gab es Berichte von 2 Kaza Roho Leuten: seit 10 bzw. 12 Jahren positiv - viel an Ausgrenzung erlebt - aber dank Natuerlicher Medizin und ARV gesundheitlich gut drauf und “kaum zu glauben“, dass sie positiv sind. Netterweise waren auch einige Vertreter einer HIV-Positiven-Gruppe von vor Ort zu Besuch: sie waren mit 4 HIV-Positiven angefangen - jetzt hatten sie über 70 Mitglieder. Einer von ihnen ermutigte die Anwesenden, sich testen zu lassen und dann offen ueber HIV-Positiv-sein zu reden. Er verknuepfte “Offenheit”, “Stigmatisierung/ Ausgrenzung” und “Ansteckung” miteinander: Ausgrenzung fuehrt dazu, dass Menschen ihr HIV-Positiv sein verschweigen - und das wiederum dazu, dass die, die noch nicht angesteckt sind, nicht wissen, wer positiv ist - was wiederum das Ansteckungsrisiko steigen laesst: Man/ frau steigt sozusagen “unbesehen” (bzw. ungetestet) mit ihm/ ihr ins Bett. Also Ausgrenzung hat nicht nur Auswirkungen auf HIV Positive sondern eben auch auf noch nicht Positive.

Jedenfalls: die Wochen waren gepraegt von Aids - dem Aufruf zur Offenheit samt der Tatsache: Aids ist nicht das Ende, es gibt Hilfe und Medizin.

Mittendrin kam eines Abends Theresia zu mir nach Hause, ein Maedel, dass ich fluechtig kenne - um um Medizin zu bitten. Dann erzaehlt sie ihre Geschichte: 2004 wurde sie getestet: HIV positiv. Sie hat es keinem erzaehlt bisher - ich bin die erste. Zwischendurch war sie immer mal wieder krank aber grundsaetzlich geht es ihr gesundheitlich einigermaßen gut - “gedanklich” eher weniger: sie ist den Traenen nahe beim erzaehlen, hat wenig Hoffnung, ihr 2 Kinder noch aufwachsen zu sehen und auch sonst keine Lebensperspektive.

Ich erzähle ihr von Kaza Roho, von Leuten, die über Jahre hinweg mit HIV leben - von Natuerlicher Medizin - von “Krankenhausmedizin” (ARV), ermutige sie zu Offenheit … und am Ende scheint sie ermutigt zu sein - ein bisschen wenigstens: dass HIV positiv nicht “Ende vom Leben” meint, dass auch mit HIV ein langes & erfuelltes Leben möglich ist - und letzte Woche kam sie tatsaechlich zu der Kaza Roho Gruppe!

Kontraste: Trotz Aids-Woche und Oeffentlichkeitsarbeit gibt es immer noch so viele “Theresias”, die in Schweigen ausharren aus Angst vor Ausgrenzung und in der Hoffnungslosigkeit versinken, im Denken, dass HIV-positiv sein meint, schon so gut wie tot zu sein. Herausforderung, weiter zu unterrichten.

Ansonsten ist uebrigens die “Maschine” zur Herstellung von Holzkohle aus Papier/ Zeitungen und sonstigen Abfaellen fertig, aber wegen diverser Aktivitaeten war immer noch nicht Projektstart. Außerdem kommen z.Z. bis zu 60 HIV-Positive zu den Kaza Roho Treffen - und wir sind noch dabei zu ueberlegen, wer wie einbezogen werden kann, um das Projekt sinnvoll werden zu lassen…

Gesundheitsstationen: Es gibt positive Tendenzen, auch wenn die finanzielle Situation weiterhin schwierig ist. Wir haben “trotzdem” Mitarbeiter aufgestockt, weil eben erst genuegend Mitarbeiter auch gute Arbeit ermoeglichen: eine Krankenschwester, einen Laboranten und einen neuen Arzt in Rente - hier geht man als Arzt schon mit 50 Jahren in Rente - nicht Feleshi-Ersatz, aber immerhin jemand, der behandeln kann.

Letzte Woche hatten wir unseren traditionellen “HUYAMU-Tag” zum Jahresabschluss fuer alle Angestellten - mit gemeinsamem Essen und Zeit fuer Austausch. Mir wurde irgendwie ein bisschen “ganz anders”, als ich die 34 Angestellten so gemeinsam vor uns sitzen sah: Dankbar fuer gewachsene Arbeit - aber eben auch der gewachsene Verantwortung fuer “so viele” bewusst. Wir hatten einen guten Tag - der Generalsekretaer war netterweise dabei mit Ansprache samt Andacht und Ermutigung, trotz manchen Schwierigkeiten und Herausforderungen vorwaerts zu gehen, Herausforderungen anzunehmen und wie die Israeliten beim durchqueren des Roten Meeres im vorwaerts-gehen zu sehen, wie Gott handelt.

Dann gab es noch ein Gesundheitshelfer-Seminar zum Thema _“Kinder in besonders schwierigen Verhaeltnissen” in Bunda. Ziel ist, eine Arbeit unter eben diesen Kindern zu beginnen. Urspruenglich war das Konzept: “Aids-Waisenkinder” - aber das Problem ist sehr viel komplexer: Laut Statistik sind ueber 50 % der Kinder, die in besagten besonders schwierigen Situationen leben, nicht Waisen sondern einfach Kinder, die von ihren Eltern nicht versorgt werden, oder einfach bei Oma oder wem auch immer “abgestellt wurden”.
Das Seminar wurde von einem unserer Mitarbeiter unterrichtet - und war Herausforderung fuer die Gesundheitshelfer. Neben dem Ziel, materiell zu helfen, wurden sie ermutigt, sich fuer Kinder in ihrer Umgebung einzusetzen - auch jenseits von Geld. Es gibt sowohl “gesellschaftliche” als auch rechtliche Wege, Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule gehen lassen, sie staendig schlagen, die ihre Kinder im Ziegenstall schlafen lassen oder ihnen zur “Zuechtigung” Verbrennungen zufuegen (alles Beispiele aus der Praxis) zu zwingen, sich um ihre Kinder zu kuemmern. Ich wuensch´ mir, dass die Gesundheitshelfer ermutigt wurden, Schweigen zu brechen und Moeglichkeiten zu nutzen, solchen Kindern zu helfen.

Ansonsten sind wir zur Zeit noch dabei, Kinder zu “identifizieren”, die dann auch materiell unterstützt werden sollen (Schulgeld, Uniform, gesundheitliche Versorgung etc) - meint: aus der Vielzahl von Kinder in schwierigen Verhaeltnissen die zu finden, die eben in /besonders/ schwierigen Verhaeltnissen leben - wie z.B. die 6 Kinder, die von der 70-jaehrigen Grosmutter mehr schlecht als recht versorgt werden, nachdem ihre Muetter an Aids gestorben sind. Neben der Trauer um den Tod drei ihrer Toechter kam fuer sie als Mutter (bzw. Grossmutter) die Last, die zurueck gebliebenen Kinder zu versorgen.

Oder die 4 Kinder von 12 Jahren abwaerts, die nach dem Aids-Tod ihrer Mutter vor 4 Jahren auf sich allein gestellt sind. Der (ebenso HIV-positive) Vater ist dauer-unterwegs um wenigstens etwas an Geld zu verdienen. Die Kinder werden so gut es geht von Leuten aus der Gemeinde betreut - und somit ist das Ziel, die Hilfe zuverlaessiger und konkreter zu machen.

Die Feleshi-Agenda geht uebrigens weiter - mit eher weniger freundlichen Briefen und SMS von ihm, mit Versuchen unsere Mitarbeiter abzuwerben - und mitsamt diversen Sitzungen, die Zeit kosten …
Er arbeitet schon seit Oktober nicht mehr, wird aber weiter bezahlt und ein Ende ist noch nicht so richtig abzusehen.

Jaa - aber jetzt genug geredet…

Viele Gruesse aus regnendem und nassen Musoma - bzw. Tansania. Nachdem im letzten Jahr um diese Zeit DĂĽrre & Waerme herrschte ist dieses Jahr des Regens schon fast zu viel: Haeuser & Bruecken stuerzen ein, Strassen sind unbefahrbar. Bei uns auf der shamba stehen Zwiebelbeet und Artemisia-Pflanzen unter Wasser - aber in anderen Gebieten sind es ganze Landstriche, wo neben Haeusern eben auch alles an Angebautem unter dem Wasser begraben wurde.
Ein Regen-Vorteil ist aber: wegen mehr Wasser gibt es jetzt Strom - fast immer… - mal sehen wie lange…

Jaa: Danke fuer alles Geben, Mitdenken und so im letzten Jahr - und dem grossen Gott befohlen fuer´s neue Jahr.

Maike

Adresse: Maike Ettling, HUYAMU, P.O.Box 1390, Musoma, TANZANIA Mail: maike@juasun.net

Ausgesandt von: Allianz Mission BLZ: 45260475; Kto.Nr: 9110900, Vermerk: Maike Ettling

Zu Musoma siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Musoma

[Hollnseth-Hollen] [Chronik] [Abbenseth] [Musoma 16] [Kontakte] [Konzertbericht] [Dorferneuerung] [Leserbrief]